Dorothea Schäfer als Ländrätin ins Amt eingeführt

Symbolisch überreichte Claus Schick Dorothea Schäfer den Schlüssel für das Kreishaus. Foto: Edgar Daudistel

Nach 25 Jahren geht Claus Schick in den Ruhestand / 600 Gäste beim Amtswechsel

Region (dd). Zuerst galt es die Regularien abzuwickeln. Die neue Landrätin Dorothea Schäfer wurde vereidigt und der seitherige Stelleninhaber Claus Schick in den Ruhestand verabschiedet. Es war schon ein erhebender Augenblick, als Dorothea Schäfer den Amtseid sprach und sich die gut 600 Gäste beim Festakt in der Kultur- und Veranstaltungshalle (kING) von ihren Sitzen erhoben. Beiden war die Freude ins Gesicht geschrieben, dem ausscheidenden Landrat und der neuen Landrätin. Bei Dorothea Schäfer, die nun froh ist, endlich die Weichen stellen zu können und bei Claus Schick, der nun in den „Unruhestand“ geht.

Für Claus Schick geht eine Ära zu Ende. Fünfundzwanzig Jahre lang bestimmt er die Richtung im Kreis. Adam Schmitt, erster Kreisbeigeordneter und auch stellvertretender Landrat, übergab Schick die Entlassungsurkunde. Die vergangenen 25 Jahre seien positiv und bemerkenswert gewesen, ließ Schmitt noch einmal die Amtszeit Revue passieren. Viel habe Schick erreicht. Sei es der Ausbau der Schulen, die einzigartig im Land seien, die Runterführung der Verbindlichkeiten auf null, der Asylbereich und die Kreisfastnacht. Sein Fazit: „Er hat sein Ziel gelebt und den Kreis geprägt.“ Doch für die Nachfolgerin werde noch viel übrig bleiben.

Professor Dr. Marbod Muff, der die Laudatio auf Claus Schick hielt, traf 1994 auf einen offenen und freundlichen Landrat. Er verglich den Kreis mit einem Unternehmen, in dem er selbst tätig war. Nämlich bei dem größten Arbeitgeber im Kreis und größten Gewerbesteuerzahler, dem Pharmaunternehmen Boehringer. Er verglich den Kreis mit einem Topmanagement, sagte, dass in der Kommune die gleichen Kennzahlen gelten wie bei Firmen, Erfolg und Liquidität. Für Handel, Handwerk und Industrie sei Schick immer ein zuverlässiger Partner gewesen. Gehe es bei Firmen um die Erhaltung der Zukunftsfähigkeit, sei der Landkreis nicht so frei. Regeln, die für den Vorstand gelten, könnten auf die Landkreisordnung übertragen werden.

1992 wurde der Jugenheimer zum Landrat gewählt. „Das ist ein lang anhaltender Vertrauensbeweis für Schick“, so Muff weiter. Er sei ein Landrat gewesen, der überparteilich für alle Bürger da war. Muff bezeichnete Schick als Baulandrat. Jede Baustelle, sei es bei Kita, Schulen oder Kreishaus, sei von ihm besucht worden. Als Brückenbauer war er Partner von Industrie, Handel und Landwirtschaft: Er war unser Mann. Arbeitete nach der Devise: „geht nicht, gibt’s nicht“. Jetzt beginne für den 72-jährigen ein neuer Lebensabschnitt.

Für Franz Josef Bischel ist es ein „ereignisreicher Tag“. Dankte als Laudator von Dorothea Schäfer dem scheidenden Landrat: „Wir haben uns gut verstanden“. Es sei ein Freudentag, dass ein Landrat verabschiedet werde, aber auch ein Freudentag, weil nun eine Landrätin mit einem hervorragenden Wahlergebnis dem Kreis vorstehe. Nun gelte es Ideen zu verwirklichen, den Kreis weiter voranzubringen. Wies aber auch darauf hin, dass der Bürger im Mittelpunkt stehe. Lange Erfahrung in der Politik habe Schäfer und auch unter Beweis gestellt, welches Potenzial in ihr stecke.

Der Mainzer Oberbürgermeister, Michael Ebling, habe die Arbeit von Schick immer geschätzt, nannte ihn eine Ausnahmepersönlichkeit und „Napoleon von Rheinhessen“. Mit ein bisschen Neid habe er immer nach Ingelheim geschielt. Für Ebling gibt es keinen Zweifel, dass Dorothea Schäfer die Arbeit mit viel Herzblut umsetze. Dr. Joachim Gerhard überbrachte die Grüße der Kreistagsfraktionen: „Seine Arbeit hat Spuren hinterlassen. Eine Ära geht zu Ende“. Nicht verbergen konnte der ehemalige Oberbürgermeister Gerhard seine Freude, dass „es soweit ist, der Stabwechsel im Landkreis vollzogen wird und erstmals eine Frau die Geschicke leitet“. Schäfer stehe nahe an den Menschen, was nicht zuletzt das Wahlergebnis wiederspiegelt. Mit Schäfer wechsele ein erfahrenes Kreistagsmitglied an die Spitze von Kreistag und Verwaltung. „Nicht alles, aber vieles wird sich verändern“, ist sich Gerhard sicher. Nach vielen Jahren gehe Claus Schick in den „Unruhestand“ und hinterlasse eine Top aufgestellte Verwaltung, so Adam Elseberg als Vorsitzender des Personalrates. Schäfer betrete nicht ein neues Terrain und hofft somit auf einen unkomplizierten Übergang.

Nach all den Reden hatte die neue Landrätin das Wort: „Ich freue mich auf meine neue Aufgabe.“ Sie sei dankbar für das große Vertrauen der Bürger, was sich im Wahlergebnis zeige. Vieles sei in den vergangenen Jahren gut gelaufen, aber es gäbe noch große Aufgaben zu bewältigen. So der Erweiterungsbau der Kreisverwaltung, das Thema wohnen, die Verkehrsinfrastruktur, der Breitbandausbau und die Schulentwicklung. Zum Schluss blieb es Claus Schick vorbehalten, noch einmal das Wort zu ergreifen. “Es ist unbeschreiblich, was sich seit 1991 verändert hat. Es ist unfassbar. Es ist heute der Tag Danke zu sagen.“