Erinnerung an Auschwitz

"Der Koffer" von Anikó Reinartz-Havas und Shoa-Zeichnungen von Raimund Egbert-Giesen. Foto: fle

Ausstellung in der Mainz Volksbank

Bingen (fle). "Mit Ihrem Kommen haben Sie Flagge gezeigt gegen Antisemitismus, Hass und Hetze. So etwas wie Auschwitz dürfe nie mehr wieder passieren." Mit diesen Worten begrüßte der Vorsitzende des Arbeitskreises Jüdisches Bingen, Hermann-Josef Gundlach, die Gäste am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus im vollbesetzten Foyer der Mainzer Volksbank. Zusammen mit der evangelischen Johanniskirchengemeinde, der Volkshochschule und der Mainzer Volksbank hatte der Arbeitskreis zu dieser besonderen Veranstaltung, zu der eine begehbare Kunstinstallation, eine Ausstellung von Shoa-Gemälden und eine Szenische Lesung gehörten, eingeladen. Das Gesamtkunstwerk mit dem Titel "Der Koffer" präsentierte die Künstlerin Anikó Reinartz-Havas. Sie hatte Originalgegenstände aus Ungarn, Österreich, Israel und Deutschland zusammengetragen, die Menschen auf der Flucht in Koffern mitgenommen haben. Da gab es ein Reisegrammophon mit Schellackplatten, Zeitungen, Schulbücher und eine Hausapotheke. Diese Koffer sollen stellvertretend für alle Ermordeten stehen, die auf eine bessere Welt hoffend, ihre Habseligkeiten gepackt bereit hielten und die letzten Tage ihres Lebens in Angst und Sorge verbracht haben. Zeichnungen zum Thema Shoa stellte der aus Brühl im Rheinland stammende Künstler und Graphiker Raimund Egbert-Giesen aus. Seine künstleriche Auseinandersetzung mit dem Thema konzentriert sich im Wesentlichen auf die Darstellung von Kindern, die für Unschuld und Zukunft stehen. Es ist unser Auftrag, so der Künstler, die Kinder nicht zu Opfern werden zu lassen.

In seinem Grußwort hob Oberbürgermeister Thomas Feser die Bedeutung der Erinnerung an Auschwitz hervor. Mit dieser Veranstaltung sei eine zeitgemäße Form gefunden worden, um sich mit den Geschehnissen vor über 70 Jahren zu konfrontieren.

"Empfänger unbekannt" hieß die Szenische Lesung von Kressmann Taylor, die die beiden Schauspieler Sibylle Brandl und Volker Gleber des freien Theaters "ZWÖLFplusEins" aus Mainz vortrugen. Es geht dabei um den Briefwechsel zwischen dem jüdischen Max Eisenstein in den USA und seinem deutschen Freund, dem Maler Martin Schulz, in der Zeit ab 1933. Die Enkel von Martin Schulz kramen in diesen hinterlassenen Briefen, die anfangs viel Privates und Geschäftliches enthalten und im Laufe der Zeit immer mehr politische Dimensionen annehmen. Sie sind anfangs von tiefer Freundschaft geprägt und verändern sich mit der zunehmenden Judenverfolgung zu Unverständnis und Angst.

Die Ausstellung der Kunstinstallation "Der Koffer" und der Shoa-Zeichnungen kann noch bis zum 22. Februar in der Mainzer Volksbank während der Öffnungszeiten besichtigt werden