„Es sind die Menschen, die unsere Stadt ausmachen“

Rund 500 Menschen aus Politik und Wirtschaft haben sich zum Neujahrsempfang des Oberbürgermeisters eingefunden. Foto: E. Daudistel

Die weichen Standortfaktoren machten die Lebensqualität in Bingen aus, sagte OB Thomas Feser beim Neujahrsempfang. Foto: E. Daudistel

Neujahrsempfang des Oberbürgermeisters / Stadt investiert 40 Millionen

Bingen (dd). „The same procedure as every year“ – Es ist jedes Jahr das Gleiche. Mit dem legendären Satz aus dem Sketch „Dinner for One“ kann der Neujahrsempfang des Oberbürgermeisters umschrieben werden. Rund 500 Menschen aus Politik und Verwaltung, dem Handwerk und den Kirchen, der Polizei und den Hilfsdiensten, Majestäten und Vereinen und aus den benachbarten Gemeinden, gaben sich im Rheintal-Kongresszentrum ein Stelldichein. Hände wurden geschüttelt, noch ein „Gutes Neues Jahr“ gewünscht. Smalltalk in allen Ecken und an den Stehtischen. Die neusten Infos wurden ausgetauscht. Der Neujahrsempfang ist der erste gesellschaftliche Höhepunkt in dem noch jungen Jahr.

Kaum gehört das alte Jahr der Vergangenheit an, kann man sich schwer noch daran erinnern. So begann 2018 mit einem Hochwasser und bis in den Herbst war der Mäuseturm trockenen Fußes zu erreichen. Schnell abgehakt ist auch die Fußball-WM. „einfach mal schnell durchatmen und den Reset-Knopf drücken“, wie es Feser in seiner Begrüßung formulierte und den Blick auf die nächsten bevorstehenden Monate richten. Mit der Verabschiedung des Doppelhaushaltes habe der Stadtrat den Wegweiser für die kommenden beide Jahre gestellt. „Fast 40 Millionen Euro will Bingen in den nächsten Jahren investieren. Damit steigen die Schulden auf 53 Millionen Euro“, so Thomas Feser in seiner rund 25-minütigen Rede. Das erfreuliche dabei sei, dass zur Liquiditätssicherung keine Kredite benötigt würden. Das Ziel sei eine lebenswerte Stadt für alle Mitbürger. Besonders freut es das Stadtoberhaupt, dass es ihm mit Minister Roger Lewentz gelungen sei, den Zuschusssatz von 60 auf 80 Prozent zu erhöhen. Mit den Mitteln werde gerade die neue Stadtbibliothek realisiert. Mit Bürgerbüro und Standesamt entstehe ein urbanes Zentrum.

Schwerpunkte der Investitionen seien Wohnen, Familie, Mobilität und Infrastruktur. Städtische Wohnungen würden saniert, viel für Familien getan. Rund 6,4 Millionen Euro fließen in die Kindertagesstätten und die Grundschulen. Er wisse wohl, so Feser, dass die Bereitstellung von Kita-Plätzen Pflichtaufgabe der Stadt sei, aber die Ansprüche von Bund und Land würden immer höher geschraubt, die Kosten auf die Kommunen abgewälzt. „Der Zuschuss bei einem Kita-Neubau von unter fünfzig Prozent ist zu wenig“, zeigt sich der Oberbürgermeister leicht verärgert. Weitere 14 Millionen Euro fließen in Infrastrukturmaßnahmen und die Steigerung der Mobilität. Straßen würden ausgebaut, eine Mobiltätsstation am Hauptbahnhof errichtet, der Radweg von Dromersheim nach Büdesheim sei in der Pipeline. Eine P+R Anlage am Hauptbahnhof nehme den Parkdruck und entlaste die Bingerbrücker. Gespannt sei Feser auf die Erfahrungen mit Car-Sharing eines privaten Anbieters. Erfreuliche die Mitteilung, dass der Hotelinvestor nun im April mit dem Neubau „Papa Rhein“ im April beginnen wolle. Nicht müde wird Oberbürgermeister Thomas Feser für die kreuzungsfreie Anbindung des Rheins zu werben. Der Animationsfilm machte noch einmal das Projekt deutlich. Eine einladende Einfahrt in die Stadtmitte, Zusammenlegung von Parken und Innenstadt. „Es ist quasi der rote Teppich ins Binger Zentrum“, hofft Feser auf baldigen Baubeginn.

Bingen wächst, die Lebensqualität sei gewachsen. Dass derzeit 26.666 Einwohner ihren Wohnsitz in Bingen hätten, sei auch den weichen Standortfaktoren wie Kultur, Freizeit, Sport und Jugend zu verdanken. Dafür stelle die Stadt, nicht zuletzt durch eine leistungsfähige Wirtschaft, freiwillige Leistungen in beträchtlicher Höhe zur Verfügung. Bingen sei mehr als die Summe der Stadtteile, mehr als die Zahl und Dimension der Projekte: „Es sind die Menschen, die unser Stadt ausmachen!“

Feser forderte die Menschen auf, für eine demokratische Grundordnung zu kämpfen, der zu beobachtende Rechtsruck und die national Entwicklung sei beunruhigend. Die demokratische Grundordnung sei beileibe keine Selbstverständlichkeit. Er forderte auf, zu den Wahlen zu gehen, das Wahlrecht zu nutzen. Die Wahl des Stadtrates und des Oberbürgermeisters stünden im Terminkalender. Er werde als Oberbürgermeister wieder kandidieren.