Für eine hohe Lebensqualität in Seniorenheimen

Kreis arbeitet mit neun Einrichtungen zusammen

Region (red). Wenn es um die Pflege geht, bestimmen oft Negativbeispiele das Bild: vernachlässigte Senioren, überarbeitete Angestellte, genervte Angehörige. Dass dies auch anders geht, zeigt der Kreis Mainz-Bingen gemeinsam mit neun Pflegeheimen, die auf seinem Gebiet tätig sind. Im „Qualitätsverbund stationärer Pflegeeinrichtungen“ (QV) soll einerseits die Qualität der Pflege weiterentwickelt und damit die Lebensqualität für die Senioren erhöht werden. Andererseits wollen die Teilnehmer das Image der Pflege verbessern und den Beruf insgesamt attraktiver machen.

Gegründet wurde der Verbund 2017 auf Initiative des Landkreises. Die Arbeit wird wissenschaftlich begleitet und ist auf drei Jahre angelegt. „Es geht dabei um ein prozessorientiertes und kollegiales Modell, mit dem die Qualität in den teilnehmenden Häusern tatsächlich weiterentwickelt wird“, sagte die zuständige 2. Kreisbeigeordnete Ursula Hartmann-Graham. In Workshops arbeiten die Vertreter der teilnehmenden stationären Pflegeeinrichtungen regelmäßig an vorher gemeinsam identifizierten Schwerpunktthemen. Dabei lernen sie voneinander und unterstützen sich gegenseitig. In einem ersten Treffen hat der Verbund außerdem verbindliche Regeln für die Zusammenarbeit im QV festgelegt. Dazu gehört auch der gegenseitige Respekt vor den Besonderheiten der einzelnen Häuser – wichtig vor allem im Hinblick auf die Konkurrenzsituation.

Die positive Vermittlung der gesellschaftlich wichtigen Arbeit der Pflege ist den am Qualitätsverbund beteiligten neun Einrichtungen und der Kreisverwaltung gleichermaßen ein wichtiges Anliegen. Ein zentrales Ergebnis des ersten Workshops ist daher beispielsweise das klare Bekenntnis, sich gemeinsam dafür stark zu machen, das Image der Pflege zu stärken. Ferner sollen im Laufe des Prozesses Bedingungen für ein gutes Leben im Pflegeheim formuliert werden – für Seniorinnen und Senioren ebenso wie für die potenziellen Angestellten, denen ein attraktiver Pflegeberuf geboten werden soll.

Der Landkreis Mainz-Bingen macht sich damit als erster örtlicher Sozialhilfeträger in Rheinland-Pfalz auf den Weg, einen Verbund dieser Art anzubieten. Die Teilnahme ist für die Einrichtungen grundsätzlich freiwillig und kostenlos. Die mit dem Projekt verbundenen Kosten werden überwiegend vom Landkreis Mainz-Bingen getragen. Das rheinland-pfälzische Sozialministerium unterstützt das Projekt mit 10.000 Euro. Mit der Konzeption des Projektes wurde das Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz gemeinnützige GmbH (ism) beauftragt. Im Prozessverlauf ist die wissenschaftliche Begleitung neben Moderation und Koordination auch Impuls- und Ideengeber für die gemeinsame Weiterarbeit des Verbundes.

Von 16 Altenpflegeeinrichtungen im Landkreis haben sich bislang neun Heime bereit erklärt, Mitglied im Qualitätsverbund zu werden. Einige nicht teilnehmende Einrichtungen haben auf ähnliche Zirkel ihrer Dachverbände verwiesen, denen sie bereits angehören. Die bisher teilnehmenden stationären Pflegeheime sind: Stift St. Martin Bingen, St. Hildegardishaus Bingen, Altenzentrum Im Sohl Ingelheim, Seniorenresidenz Carolinenhöhe Ingelheim, Seniorenzentrum Domherrengarten Essenheim, Seniorenresidenz Nieder-Olm, Seniorenzentrum Nackenheim, Pflegeheim Harxheim und das Altenzentrum Oppenheim. Der Senioren-Park „carpe diem“ Waldalgesheim plant die Eröffnung zwar erst für das Frühjahr 2019, hat sich bereits jetzt schon zur Mitarbeit im QV bereit erklärt.