Gerbhausstraße: Debatte versachlichen und differenzieren

Der Parkplatz Gerbhausstraße ist zu den Hauptzeiten nur zu dreiviertel belegt. Davon sind viele Dauerparker. Foto: Edgar Daudistel

Stichprobe hat ergeben, dass die Parkplätze nur zu 80 Prozent belegt sind

Bingen (red). "Der Forderung der SPD auf einen Verzicht der Anbindung des Rhein-Nahe-Ecks stehen nach unserer Ansicht erhebliche rechtsstaatliche Bedenken entgegen" erklärt der grüne Fraktionsvorsitzende Roland Böse. Die Übereignung der Grundstücke an der Gerbhausstraße erfolgte aus Gründen des Allgemeinwohls zur Verbesserung der Sicherheit des Bereichs nördlich der Bahnlinie und des  Schienenverkehrs. Dieses Gesamtprojekt hatte auch bisher die Unterstützung in  der Bevölkerung. Die Empörung der ehemaligen Eigentümer und Mieter, die ihre Wohnungen verlassen mussten, dürfte nur allzu verständlich sein  und etwaige Rechtsfolgen können nicht ausgeschlossen werden. "Fest steht, dass die Stadt zusätzlich zu den eigenen Planungskosten alle Planungskosten der Deutschen Bahn aus eigener Tasche ersetzen muss und dafür ein beachtlicher Teil des städtischen Investitionskostenanteils für das Projekt von in Höhe ca. 6,5 Mio. Euro für nutzloses Papier aufgebracht werden müsste" unterstreicht Böse. Von einer weiterhin uneingeschränkten Nutzung des Bahnübergangs am Starkenburger Hof ohne Konsequenzen z. B. für das Winzerfest kann nicht ohne weiteres ausgegangenen werden, da die gesetzlichen Vorgaben zu Verbesserung der Sicherheit weiterhin bestehen. "Dabei ist zu berücksichtigen, dass es sehr wohl Möglichkeiten gibt, den zur Verfügung stehenden Parkraum besser zu nutzen. Deren Umsetzung wurde bereits durch die Koalition beantragt", betont die  CDU-Fraktionsvorsitzende Elisabeth Gräff.

Mehrere Stichproben haben in den letzten Wochen ergeben, dass auch zu den Hauptnutzungszeiten die ca 225 Parkplätze an der Gerbhausstraße fast immer zu weniger als 80 Prozent belegt war. Zwischen Zweidrittel und Dreiviertel der abgestellten Fahrzeuge waren Parker mit Dauerparkerlaubnis. Damit sich die Situation entspannt, werden wir auf die zeitnahe Verlegung der Parkplätze für Dauerparker von der Gerbhausstraße auf die nördliche Seite der Bahnlinie drängen. Nach der Verlegung werden dann überwiegend weniger als 30 Prozent der Parkfläche an der Gerbhausstraße genutzt.

Wenn demnächst noch im neu eröffneten CCB ca. 210 Parkplätze hinzukommen und die von Baucontainer an der Bahnlinie belegten ca. 15 Parkplätze am Fruchtmarkt wieder zur Verfügung stehen, wird das Parkraumangebot im Vergleich zum jetzigen Zeitpunkt selbst während der Bauzeiten im Saldo ein Defizit von nicht mehr als 10 bis 20 Parkplätzen haben. Hierfür gilt es im Bauablauf Möglichkeiten zu schaffen, die Einschränkungen zeitlich und quantitativ auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Nach der Fertigstellung der Anbindung können dann ca. 50 Parkplätze in der Summe für Kunden mehr angeboten werden, als heute. Dieses Opfer von wenigen Parkplätzen über einen möglichst kurzen Zeitraum sollte den Binger Bürgern die Anbindung wert sein.

Bisher haben die Gespräche mit den beteiligten Interessengruppen ergeben, dass teilweise sich ausschließende Forderungen vorgetragen wurden und Uneinigkeit bestand. Für die weitere Diskussion ist es aber unabdingbar, dass ein einheitliches und differenziertes Meinungsbild über die pauschale Forderung nach mehr Parkraum hinaus existiert.

"Wer zum Vergleich die kostenlosen Parkplätze in Büdesheim heranzieht, muss zur Kenntnis nehmen, dass die Errichtung, der Betrieb und die Kosten für diese Parkplätze von den dortigen Gewerbetreibenden komplett übernommen werden. Ein solches Modell wäre sicherlich auch in Bingen vorstellbar. Verhandlungen über eine geeignete Fläche stehen wir offen gegenüber" erklärt Roland Böse. Man möge sich im Gegensatz dazu die  sicherlich berechtigten Einwendungen maßgeblicher Interessengruppen für den Fall vorstellen, dass die Stadt die kompletten Kosten für die Errichtung und den Betrieb von Kundenparkplätzen  in einem Vorort oder einem Gewerbegebiet für ein Unternehmen übernehmen würde.

Nur schwer nachzuvollziehen ist die Kritik an der Verlegung des Straßenverlaufs am Fruchtmarkt an die Bahn. Die Idee die hinter dieser Planung steht, ist den Parkraum zur Stadt hin zu orientieren und damit den Zugang für die Kunden und die Attraktivität der Innenstadt und ihrer Eingänge zu steigern und die Sicherheit zu erhöhen. "Allein der tragische Unfall vor zwei Jahren sollte die Sinnhaftigkeit dieser Planung unterstreichen" so die Fraktionsvorsitzenden.