Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein

Gemeinsam mit Oberbürgermeister Thomas Feser hoffen die Unterstützer der Aktion „Gemeinsam für Lorena“ auf viele Menschen, die sich typisieren lassen. Foto: E. Daudistel

Stammzellenspender für Lorena gesucht / Sonntag, 29. Juli, Keltenhalle Waldalgesheim

Waldalgesheim / Bingen (dd). „Es ist nur ein winziger Piks, der viel verändern kann“, weiß Leonie Kaiser, die vor zwei Jahren Stammzellen spendete und damit das Leben einer Niederländerin rettetet. Jetzt setzt sich die junge Frau gemeinsam mit Oberbürgermeister Thomas Feser, Freunden und vielen Unterstützen für die Initiative „Gemeinsam für Lorena“ ein. Die 17-jährige Waldalgesheimerin leidet an einem schweren Immundefekt, am sogenannten Griscelli-Syndrom Typ II mit HLH. Das blutbildende System funktioniert nicht mehr. Nur eine Stammzellenspende kann helfen. Die weltweite Suche nach einem „genetischen Zwilling“ blieb bisher ohne Erfolg. Lorenas Freunde und Familie organisieren eine Registrierungsaktion, bei der der Binger Oberbürgermeister die Schirmherrschaft übernommen hat. Sie findet am Sonntag, 29. Juli, von 11 bis 16 Uhr, in der Waldalgesheimer Keltenhalle statt.

„Eine schwere Erkrankung eines Menschen bewegt uns alle“, sagt Bingens Oberbürgermeister Thomas Feser bei einem Pressegespräch. „Ganz besonders tragisch ist es, dass die Tochter eines Mitarbeiters der Verwaltung schwer erkrankt ist. Das Mitgefühl bei der Mitarbeiter ist sehr groß.“ Es sei eine dramatische Situation, die die Bündelung der ganzen Kräfte erfordere. Er hofft, dass ein Stammzellenspender gefunden wird. Sein Dank galt dem Team der Initiative, dem Tennisclub Weiler, der in der vergangen Woche ein Tennisturnier ausrichtet und dabei haben sich bereits 100 Menschen typisieren gelassen sowie der Ortsgemeinde Waldalgesheim, die kostenlos die Keltenhalle zur Verfügung stellt. „Es ist die Such nach der Stecknadel im Heuhaufen“, hofft Feser darauf, dass möglichst viele Menschen sich typisieren lassen.

„Die Typisierung ist ganz einfach“, erläutert Maria Schmidt von der DKMS. „Mund auf - Stäbchen rein - Spender sein.“ Mit einem Wattestäbchen erfolgt ein Abstrich der  Wangenschleimhaut. Darin sind die notwendigen Gewebemerkmale erhalten. „Und das ganze dauert nur drei Minuten“, so Schmidt. Wenn fünf von sechs sogenannten HLA-Merkmale (Humane Leukozyten-Antigene) zusammenpassen ist ein potentieller Spender gefunden. Kommt es zur Stammzelltransplantation, folgen ausführlichen Informationsgesprächen und weiteren Untersuchungen. Die DKMS kümmert sich dann um alle anfallenden Formalitäten, angefangen von der Anreise in das entsprechende Krankenhaus bis zur Freistellung beim Arbeitgeber. Die Einverständniserklärung zur Stammzellspende kann vom Spender jederzeit widerrufen werden.

Der Bedarf an Stammzellenspender ist sehr groß. Ab einem bestimmten Alter fallen die Menschen, die sich typisiert haben lassen, aus der Datenbank. Im Bundesgebiet gibt es zurzeit knapp 30 verschiedene Dateien, wie beispielsweise die DKMS, die Birkenfelder Stefan-Morsch-Stiftung oder die Deutsche Stammzellspender-Datei Rhein-Main, in denen die Daten der zurzeit acht Millionen typisierten Bundesbürger verzeichnet sind. Gebündelt werden sie alle im Zentralen Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD) in Ulm. Hier laufen die Anfragen aus dem In- und Ausland zusammen, wenn es um das Thema Stammzelltransplantation geht.

Das Stefan-George-Gymnasium (SGG) führt auf Initiative des Oberstufenleiters Rudolf Müller, der vor fast einem viertel Jahrhundert selbst an Leukämie erkrankt war, alle zwei Jahre eine Typisierungsaktion durch. Bereits 15 passende Spender konnten dabei gefunden werden, darunter auch Leoni Kaiser, die kurz vor ihrem Abitur Stammzellen spendete. „Das Spenden der Stammzellen ist schmerzfrei. Es sind nur zwei Einstiche im Arm für eine Nadel. Dabei wird auf der einen Seite das Blut entnommen, die Stammzellen herausgefiltert und auf der anderen Seite das Blut wieder in den Körper zurücktransportiert“, erzählt die junge Frau.

Spender werden kann jeder Mensch zwischen 17 und 55 Jahren. Als gemeinnützige Organisation ist die DKMS auch auf Geldspenden angewiesen. Eine Typisierung kostet 35 Euro. Ein Spendenkonto ist eingerichtet: Sparkasse Trier, IBAN DE07 5855 0130 0001 0829 65, Verwendungszweck: Lorena.

Wer am Sonntag, 29. Juli, nicht in die Keltenhalle nach Waldalgesheim kommen kann, für den besteht auch die Möglichkeit ein Typisierungs-Set bei DKMS – www.dkms.de - anzufordern.

Kasten:
Registrierungsaktion,
Sonntag, 29. Juli, 11 – 16 Uhr,
Keltenhalle,
Neustraße 6;
Waldalgesheim.

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