Nachgefragt: Gesundes Pausenbrot für Schulkinder

Quelle: ism gGmbH

Das neue Schuljahr steht vor der Tür und Brotdosen und Trinkflaschen, die in den vergangenen sechs Wochen bestenfalls gespült in den Küchenschränken verschwunden sind oder schlimmstenfalls immer noch mit Inhalt in der Schultasche gammeln, werden nun von den Eltern hervorgekramt, um jeden Morgen aufs Neue für den Nachwuchs gefüllt zu werden. Spätestens nach einer Woche hat die Routine wieder Einzug gehalten, und dem Pausenbrot wird von Kindern und Eltern nur noch wenig Beachtung geschenkt. Die Rundschau hat bei Dr. med. Gabriele von Weiden nachgefragt, was Eltern beachten sollten, um Kindern ein gesundes und abwechslungsreiches Pausenbrot mitzugeben. Als Ärztin des Gesundheitsamts Mainz-Bingen untersucht sie die Kinder vor dem Schulantritt, ist Vorstandsmitglied des Adipositasnetzwerks Rheinland-Pfalz und zudem Vorstandvorsitzende des Netzwerkes „Die LeckerEntdecker“.

 

Ernähren sich Kinder in der Schule gesund?

Das ist sehr unterschiedlich. Langzeitbefragungen, die seit 10 Jahren diesen Bereich abfragen, zeigen, dass sich das Ernährungsverhalten ein Stück verbessert hat. Es wird mehr Obst und Gemüse gegessen als vor 10 Jahren und weniger Süßgetränke und dafür mehr Wasser konsumiert. Da ist schon eine Veränderung, aber in der Summe sind es immer noch zu wenig. So schaffen nur 14% der 3 bis 10 Jährigen die empfohlenen 5 Portionen Obst und Gemüse am Tag.

 

Was empfehlen Sie den Eltern für die Verpflegung der Kinder in der Schule?

Vollkornbrot ist immer eine gute Basis, dazu Klassiker wie die Gemüsesticks und das Kind ist gut versorgt. Beim Pausenbrot sollte man eher in die vegetarische Schiene gehen und beim Brotbelag das Fleisch reduzieren. Wichtig ist, dass es schick aussieht, denn das Auge isst nun mal mit und das ist gerade bei Kindern ein sehr wichtiger Faktor. „Kinderlebensmittel“, also von der Werbung als solche angepriesene, sehen zwar toll aus, aber enthalten oftmals viel Zucker und Fett, deshalb sollte man darauf verzichten. Und vor allem sollte man Wasser als Durstlöscher und keine Süßgetränke mitgeben.

 

Ist mangelnde Zeit am Morgen ein Faktor, warum oft Ungesundes in die Brotdose kommt?

Natürlich ist das die Realität in vielen Familien. Aber ich denke die Eltern sollten sich gemeinsam mit ihren Kindern Zeit dafür nehmen. Man kann gemeinsam am Vorabend etwas vorbereiten, dann fühlen sich die Kinder mitgenommen und es schmeckt ihnen gleich besser. Mit einem liebevoll gestalteten Brot gebe ich meinem Kind auch ein Stück Liebe mit in die Schule.

 

Was sind klassische Fehler?

Gar nichts mitzugeben, weil das Kind zum Beispiel sagt, es habe keinen Hunger in der Schule. Kinder sind keine Erwachsenen, sie haben einen ganz anderen Stoffwechsel. Wir Erwachsene können viel längere Trink- und Essenspausen machen, doch Kinder brauchen Zwischenmahlzeiten, sie können nicht so viel Energie speichern. Ohne ein zweites Frühstück und einen Snack am Nachmittag geht die Leistungskurve sehr schnell runter. Und dann hilft auch das schnelle süße Stückchen nicht, denn das puscht nur kurzfristig den Blutzucker hoch, bevor er dann ganz runter zum Leistungstief geht. Und Eltern dürfen nie unterschätzen, dass sie ein Vorbild sind.

 

Wie schätzen Sie die Qualität bei den Schulessen ein?

Mittlerweile gibt es viele tolle Initiativen und viele Küchen peppen das Essen mit Obst und Gemüse auf. Ich würde mir wünschen, dass die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung noch mehr Beachtung finden. Und ich denke die Schulen sollten sich untereinander auch mehr vernetzen und Synergien suchen. Zentrale Anlaufstelle bei Fragen rund um die Kita- und Schulverpflegung, egal ob Einrichtung oder Träger, Verpflegungsanbieter, auch für Eltern oder Schüler/innen, ist die Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Rheinland-Pfalz. Sie unterstützt den Weg zu mehr Qualität in der Verpflegung der Einrichtungen. Man muss sich aber vor Augen halten, beim Schulessen sind es in der Regel nur fünf Mahlzeiten in der Woche an der Gesamtverpflegung eines Kindes.

 

Sie sind schon lange in diesem Bereich tätig, können Sie einen Trend erkennen?

Ich bin ein positiver Mensch und sehe erste Fortschritte. Es ist klar, dass sich im Bereich der Ernährung nur langsam etwas verändern kann. Das Übergewicht der Kinder hat zum Beispiel stagniert, wenn zwar auf hohem Niveau aber es ist nicht weiter gewachsen. Ich denke in der Öffentlichkeit ist das Thema Ernährung im Kindesalter angekommen und das ist wichtig. Die öffentliche Gesundheit unternimmt viele Anstrengungen, um präventiv und aufklärend zu arbeiten. Doch gegen große Werbekampagnen der Industrie ist es schwierig anzukommen, da haben wir viel weniger Mittel um etwas Attraktives dagegen zu setzen. Studien haben zum Beispiel belegt, dass Werbung für Süßigkeiten den Konsum erhöhen. Deshalb gibt es in Schweden und Norwegen ein Verbot für Süßigkeitenwerbung, welche sich direkt an Kinder unter zwölf Jahren wendet. Ein günstiges Ernährungsverhalten im Kindesalter hat lebenslange Auswirkung auf meine Gesundheit. Und im Umkehrschluss legt ein ungünstiges Ernährungsverhalten in jungen Jahren den Grundstein für Volkskrankheiten wie Übergewicht, Diabetes oder Bluthochdruck. Es darf nichts mit dem erhobenen Zeigefinger sein, gesunde Ernährung soll lecker sein, Spaß machen und der Genuss sollte eine große Rolle spielen.

 

Kurz und knapp

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