Bezahlbarer Wohnraum ist ein Problem

Hochpreisige Wohnungen gibt es in bingen genügend. Bezahlbarer Wohnraum fehlt. Foto: E. Daudistel

Vorschriften machen das Bauen teuer / Ansprüche runter schrauben

Bingen (dd). Das Thema „Bezahlbarer Wohnraum“ beschäftigt die Menschen auch in Bingen und dem Landkreis. „Eine Familie muss in Bingen für eine moderne 100 Quadratmeter-Wohnung zwischen 800 und 1.000 Euro Kaltmiete zahlen“, so Ralf Kohl bei der Anmoderation zu einer Podiumsdiskussion. Selbst gut verdienende Arbeitnehmer und Selbstständige könnten diese Mieten kaum noch zahlen. Familien mit Kindern könnten sie sich nicht leisten. Familien und Geringverdiener weichten in ländliche Regionen aus. Die Folgen seien lange Fahrten zum Arbeitsplatz und zur Schule. Die Lebensqualität leide darunter.

Welche Möglichkeiten Stadt und Landkreis haben, um das Problem in den Griff zu bekommen, darüber diskutierten Bürgermeister Ulrich Mönch, Landrätin Dorothea Schäfer und Jürgen Fechtenkötter bei einer gut besuchten CDU-Veranstaltung. Ulrich Mönch machte deutlich, dass es einen Unterschied zwischen bezahlbarem Wohnraum und Sozialwohnungen gäbe. Im Büdesheimer Bubenstück stünden zwanzig Prozent der Flächen für den ozialen Wohnungsbau zu Verfügung. Bingen sei geprägt von Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäusern. „Mehrfamilienhäuser fehlen. Der Flächennutzungsplan muss angepasst werden. Konkrete Pläne gibt es noch nicht“, so der Baudezernent. „Wir brauchen jemand, der die Wohnungen baut.“ Die Stadt sei kein Bauträger, müsse mit privaten Investoren zusammenarbeiten. Dabei gelte aber das Gesetz der Marktwirtschaft. Die Investoren wollten Geld verdienen und das schlage sich auf die Mieten nieder. An hochpreisigen Miet- und Eigentumswohnungen Wohnungen gäbe es in Bingen keinen Mangel. Eine andere Möglichkeit wäre der genossenschaftliche Wohnungsbau. „Auf dem ehemaligen Gelände der VOG in Büdesheim sollen solche Wohnungen entstehen“, hofft Mönch darauf, dass sie als Vorbild für andere Baugebiete dienen.

Die Stadt habe 213 eigene Wohnungen. Davon seien 195 Wohnungen zum Preis von 4,80 bis 6,50 Euro vermietet. Rund 10 Wohnungen müssten für Notfälle freigehalten werden. Dreizehn würden saniert. „Wir kommen unserem Auftrag im sozialen Wohnungsbau nach“, so Mönch.

Landrätin Dorothea Schäfer sieht den Kreis in der Verpflichtung, die Kommunen zu unterstützen. Eine Kreiswohnungsbaugesellschaft werde es nicht geben. Zurzeit werde im Kreis eine Wohnanalyse erstellt. „Wir brauchen ein Überblick über die Situation in den einzelnen Kommunen“, so die Kreischefin. Sie kann sich vorstellen, dass eine Unterstützung durch das Bauamt erfolgt. Aber auch Fördermittel seien ein gangbarer Weg: „Fünf Millionen Euro stehen im Haushalt bereit.“

Preistreiber im Wohnungsbau seien nach den Worten von Jürgen Fechtenkötter die immer strenger werdenden Vorschriften im Baurecht. Als Beispiel nannte er die Energieeinsparverordnung. Wohnungen würden in über zwanzig Zentimeter dickes Styropor eingepackt, das nicht wirtschaftlich sei. Brand- und Schallschutz seien Preistreiber, aber auch die Vorschrift, dass ab dem dritten Stockwerk ein Fahrstuhl eingebaut werden müsse. Fachingenieure würden gebraucht, die die Arbeit nicht kostenlos erledigen. Auch sei die Barrierefreiheit vorgeschrieben. „Warum verlegt man diese Wohnungen nicht in das Erdgeschoss“, fragt der Architekt.

Zahlreiche Wohnungen stünden leer, kam die Anmerkung aus dem Publikum. Vielleicht wäre die Förderung der Leerstände ein Möglichkeit, um wieder bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Auch würden Häuser durch nur eine Person bewohnt, die aber Angst hätten, Mieter aufzunehmen. Durch niedrige Zinsen sei ein Bauboom entstanden. In den Ballungsräumen steigten die Bauplatzpreise. Die auch hier durch einen Verdrängungswettbewerb ihren Niederschlag fänden. „Einfach mal die Ansprüche runter schrauben. Damit sinken auch die Mietpreise. Muss dann überall hochwertiges Parkett verlegt werden“, war die provozierende Frage.

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