Der Schatz von Bingen

Dr. Karl-Maria Heidecker, Maria Ott-Grimm und der Produzent der DVD, Fritz Poppenberg, vor einer Vitrine mit einem Teil des Binger Ärztebestecks. Foto: E. Daudistel

DVD zum Instrumentarium eines römischen Chirurgen

Bingen (dd). Als vor rund 95 Jahren die Cronstraße gebaut wurde, kam ein besonderer Schatz zu Vorschein. Das 67 Teile umfassende Instrumentarium eines römischen Chirurgen aus dem zweiten Jahrhundert nach Christi. Es ist das archäologische Highlight im Museum am Strom. „Es ist das einzig vollständige Ärztebesteck und ein Alleinstellungsmerkmal für Bingen und die Region“, so Oberbürgermeister Thomas Feser bei der Pressevorstellung einer DVD mit dem Titel „Der Schatz von Bingen“. Dr. Karl-Maria Heidecker, langjähriger Klinikleiter und Chefarzt es Binger Krankenhauses, hat gemeinsam mit einer Produktionsfirma aus Berlin einen eindrucksvollen Film über das Binger Ärztebesteck herausgegeben. Der 91 Jahre alte Mediziner, Gründungsmitglied des Museums, hat sich seit 1975 intensiv mit dem gefunden Instrumentarium beschäftigt und den medizinisch historischen Fund bei vielen Vorträgen bekannt gemacht und hochrangige Staatsgäste aus der ganzen Welt waren deswegen im Museum schon zu Gast. Als Dank für seine Arbeit überreichte das Stadtoberhaupt dem Arzt eine limitierte Goldmedaille des Mäuseturms.

Dass der alte Fund überhaupt in Bingen blieb und dann den Weg ins Museum fand, ist Studienrates Franz Ott zu verdanken. Wie seine Tochter, Maria Ott-Grimm, erzählte, bewirkte er durch eine Notlüge, dass das Ärztebesteck vor der Annexion durch amerikanische Soldaten in Bingen blieb und der medizinhistorische Fund nicht in die USA verschleppt wurde.

„Aufgrund der Vielzahl der Instrumente kann davon ausgegangen werden, dass es sich bei Arzt nicht um einen Allgemeinarzt gehandelt hat, sondern es eine Chirurg gewesen sein muss“, weiß Dr. Heidecker zu berichten. Zwar habe sich in den 2000 Jahren bis heute die Medizin verändert, aber die modernen Instrumente haben im Wesentlichen noch die gleiche Form. Waren die Instrumente in der damaligen Zeit aus Bronze, Eisen und Stahl, so sind sie heute aus rostfreiem Edelstahl oder Kunststoff hergestellt. „Sogar gab es damals schon Skalpelle mit auswechselbarer Klinge.“ Auch Erfahrungen, die in der Römerzeit erkannt wurden, gelten heute noch, sagte der trotz seines Alters noch agile und fitte Chirurg. Das machte er an einem Konchenbruch deutlich. „Der Bruch muss exakt eingerichtet und ruhig gestellt werden. Um die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren, ist abgestorbenes Gewebe bis ins durchblutende Gewebe zu entfernen.“

Seit 45 Jahren beschäftigt sich Karl-Maria Heidecker mit dem historischen Fund und hat sich eingehend mit der Schädeltrepanation, also dem Öffnen des Schädels mittels anbohren, beschäftigt. „Damals gab es noch keine wirksame Anästhesie. Entweder wurde zu wenig davon angewendet oder zu viel, so dass der Patient starb.“ Außer dem Instrumentarium besitz das Museum noch einen weiteren Beweis, dass es in der Stadt am Rhein-Nahe-Eck noch einen zweiten römischen Arzt gab: Den Votivstein für den Arzt Quintus Avitius Hermes. Auf Grund des Schriftausdrucks ist davon auszugehen, dass er in der zwischen dem dritten und vierten Jahrhundert nach Christus in Bingen praktizierte.

Ab sofort ist die DVD im Buchhandel und an der Museumskasse erhältlich. ISBN: 978-3-936344-74-5. Preis: 14.95 Euro. Spieldauer: 45 Minuten mit ergänzendem Bonusmaterial.

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