„Es geht uns so gut wie noch nie“

Sparkassenforum mit Sparkassenvorstand Peter Scholten, Wirtschaftswissenschaftler Professor Lars Feld, Moderatorin Gundula Gause, Günter Jertz (Hauptgeschäftsführer IHK) und Stefan Korus (Handwerkskammer). Foto: E. Daudistel

Wirtschaftsweiser Lars Feld war Redner beim Wirtschaftsforum der Sparkasse Rhein-Naher

Bingen (dd). Bereits im vierten Jahr stehe Deutschland wirtschaftlich hervorragend da, das Wirtschaftswachstum sei enorm, es herrsche fast Vollbeschäftigung. Das waren die Kernaussage von Professor Lars Feld, einer der fünf Wirtschaftsweisen, der auf Einladung der Sparkasse Rhein-Nahe beim alljährlichen Wirtschaftsforum im Rheintal-Kongress-Zentrum das Gutachten des Sachverständigenrats präsentierte und die eigene Meinung einfließen ließ. 800 Personen füllten den Saal, bei der von der ZDF-Ikone Gundula Gause moderiert Veranstaltung. Für den Hausherren, Sparkassenvorstand Peter Scholten, war es kein einfaches Jahr gewesen. Trotz Niedrigzinsen konnte durch Umstrukturierungen das Ergebnis aus dem Vorjahr gehalten werden. „Wir haben neue Ertragsquellen erschlossen, sind ins Immobiliengeschäft eingestiegen. Die eigene Gebäude bringen uns nach vorn“, so der Sparkassenchef. „Bis 2020 sind die Erträge stabil.“

Der Wirtschaftsprofessor warnte vor einer expansiven Geld- und Sozialpolitik. Steuersenkungen seien der falsche Weg, Investitionen notwendig. Und da gäbe es gerade bei der Digitalisierung und in der Klimapolitik genügend Möglichkeiten. Er könne sich eine Minderheitsregierung vorstellen. „Die Bildung einer neuen Regierung kann sich gerne noch hinziehen. Im jetzigen Zustand können keine neue Pakete geschnürt und zusätzlich Ausgaben getätigt werden“, meint Lars Feld. Die Eurokrise sei noch nicht überwunden. Dabei verwies er insbesondere auf Italien. Auch von einer Zinswende sei man noch weit entfernt. „Zinsbewegungen sehe ich erst im Jahr 2019, nachdem die Anleihenkäufe von der EZB reduziert wurden“, bremst Feld die Euphorie auf höhere Zinseinnahmen. Zinserträge von einem Prozent sieht er in der nahen Zukunft als realistisch an. „Drei Prozent sind für die deutsche Wirtschaft normal. Aber bis dorthin ist es noch ein weiter Weg“, so der Wirtschaftswissenschaftler, der an der Universität Freiburg lehrt.

Die von vielen Menschen herbeigeredet Krise sieht Feld nicht. Die deutsche Wirtschaft wachse um rund zwei Prozent in den nächsten Jahren, war seine Prognose. Damit verdopple sich in 35 Jahren das Volkseinkommen. Zwar seien die Löhne seit 2008 angestiegen, doch von einer Überhitzung sei man noch ein gutes Stück entfernt. Es gäbe eine Vollbeschäftigung aber noch kein Fachkräftemängel. Der tretet erst ein, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gingen. Deshalb forderte er ein Einwanderungsgesetz um dem entgegenzuwirken. Der Soli müsse abgebaut werden, verliere er doch 2020 seine Legitimation. Bei der Digitalisierung sei es falsch immer nur von Glasfaser zu reden. Technologien seien neutral zu sehen. Digitalisierung im Gesundheitswesen bedeute auch, das Retten von bis zu 100.000 Menschenleben. Beim Brexit hofft der Professor, dass Großbritannien vielleicht doch noch zu einer erneuten Abstimmung kommt und das Königreich in der EU bleibt.

„Es ist schön in einer Zeit zu leben, in der es uns so gut geht wie noch nie“, damit schloss Lars Feld seinen Vortrag.

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