Zugausfälle sind an der Tagesordnung

Die Züger der Mittelrheinbahn verkehren unregelmäßig. Schüler kommen nicht rechtzeitig zur Schule. Foto: E. Daudistel

Mangel an Lokführer / keine schnelle Änderung in Sicht / Arbeitskreis soll Lösung finden

Region (dd). Sie heißen Katharina, Vicky, Hannah, Simon und Jana. Sind zwischen acht und 12 Jahren jung und gehen zur Hildegardisschule oder aufs Stefan-George-Gymnasium in Bingen. Eins haben die Jungen und Mädchen gemeinsam. Am Morgen ist es noch ungewiss wie sie zur Schule kommen sollen. Sie stehen in Gau-Algesheim oder Bacharach am Bahnsteig und warten auf ihren Zug, der aber nicht kommt. Und das geht schon seit Wochen so. Die Eltern sind sauer, denn sie müssen für den Transport ihrer Kinder zu Schule sorgen, spielen Taxi.

Um die Ereignisse um die Zugausfälle transparent zu machen, hatte Landrätin Dorothea Schäfer im Rahmen der RNN Zweckverbandsversammlung, den Geschäftsführer Trans Regio, Ingo Pfundstein, und den Verbandsdirektor Zweckverband Schienenpersonennahverkehr, Michael Heilmann, eingeladen. Eltern mit ihren Kindern waren auch in den Kreisstagssaal gekommen, um den Beschwerden Nachdruck zu verleihen. Auf einen großen Karton stand: „1,5 Stunden Bingen - Ober-Hilbersheim. Das heißt Mobilität bei uns vor Ort. Klimapolitik bei uns ist, wenn Eltern Kinder zur Schule bringen müssen und Entschleunigung ist im Landkreis Mainz-Bingen, wenn Kinder Stunden zur Schule fahren müssen.“

Die Mittelrheinbahn beziehungsweise Trans-Regio, die unter anderem die Strecken zwischen Mainz und Koblenz bedient, hat unter zahlreichen Zugausfällen zu leiden. „Wir stehen in der Schusslinie. Es ist für uns keine leichte Situation“, so Ingo Pfundstein. Auch die Mittelrheinbahn sei vom bundesweiten Lokführermangel betroffen. Rund ein Viertel der Belegschaft fehle. Zum Teil durch Langzeiterkrankung oder Abwerbung durch Mitbewerber. Eins machte der Geschäftsführer deutlich: „Wir wollen nicht am Geld sparen.“ Seit April sind 15 neue Lokführer in der Ausbildung, die rund 10 Monate dauert. Und damit ist eins klar: „Es wird so schnell keinen Halbstundentakt mehr geben. Wir müssen uns an den Zustand gewöhnen.“ Mit den Mitbewerbern sei man im Gespräch, einen Teil der Strecke mitzubedienen. Die einzige Möglichkeit, den Schülerverkehr geordnet aufrecht zu halten, sei einen Schienenersatzverkehr mit örtlichen Busunternehmen einzurichten.

Das ganze Problem sei aber auch, machten die Eltern deutlich, dass, wenn ein späterer Zug denn mal fahre, dieser voll besetzt sei und sogar an den Bahnhöfen durchfahre. „Warum werden keine zusätzlichen Waggons angehängt?“ Die Sorgen der Eltern geht sogar soweit, dass, wie es eine Mutter aus Appenheim sagte: „Ich überlege mir, mein Kind aus der Binger Schule zu nehmen.“ „Für den Landkreis ist der Schienenpersonen-Nahverkehr ein wichtiges Thema“, so die Landrätin. „Der Kreis wirbt für den Umstieg auf Bus und Bahn. Und da ist solche ein Situation natürlich kontraproduktiv.“ „Es ist Aufgabe der Politik, dass wir nicht weiter auf ein Desaster zusteuern“, ergänzt der Kreisbeigeordnete Steffen Wolf.

Nicht bekannt ist, wie viele Schüler von den Zugausfällen betroffen sind. Die genauso Zahl sollen die Schulen dem Kreis melden. Bei einer geringen Anzahl von Kindern, könnte eventuell auch ein Taxiverkehr ins Auge gefasst werden. Die Ferienzeit soll dafür genutzt werden, in einem Arbeitskreis, zusammen mit den betroffenen Eltern, eine Lösung zu finden.

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