Eure Romy

Mandel. Sehr geehrte Leserinnen und Leser, ab dieser Ausgabe meldet sich Romy zu Wort. Im übertragenen Sinne natürlich. Romy ist eine kleine Labradorhündin, die seit einigen Tagen bei der Tierpsychologin Isabel Marschall lebt. Romy ist zehn Wochen alt – ein gutes Alter, um von der Mutter und aus dem Rudel getrennt zu werden

Der Züchter hatte Zeit, sie zu entwöhnen, ihren Charakter zu studieren und den Käufer auf den Hund vorzubereiten. Man sieht also, auch ein Hund hat schon als kleines Lebewesen eine Persönlichkeit. Die kann von seinem Halter entdeckt und gefördert werden.

Für die Ankunft von Romy war schon alles vorbereitet.

Romys Rückzugsort im neuen Heim ist ein Laufstall (oder eine Gitterbox). Sie wird sie für die nächsten 6 Monate nutzen. Ein Welpe braucht anfangs noch 16 Stunden Schlaf, das ist viel. Und es muss in der Familie klar sein: Wenn der Hund schläft, dann schläft er und wird nicht vorgeführt, bekuschelt oder zum Spielen animiert.

Wenn es an der Tür klingelt, kommt der Hund in den Laufstall. Somit ist klar: Frauchen oder Herrchen ist der Checker, nicht der Hund. Aber um das ganz klar zu sagen: Der Laufstall ist nichts zum Wegsperren, sondern ein Ruhebereich. Hier findet in den ersten Wochen auch die Fütterung statt.

In den Laufstall gehören Spielzeug und Kauartikel wie Kaninchenohren zum Stressabbau und ein Wassernapf – und die hundeeigene Kuscheldecke.

Im Haus selbst wurde – soweit möglich – alles welpensicher gemacht: Schuhe und Pflanzen stehen nicht mehr auf dem Boden, Kabel wurden weggeräumt und draußen, im Garten, wurden die Ecken, in denen sich die Bienen tummeln, erst einmal unzugänglich gemacht. Bereit!

Romy wird von der Züchterin abgeholt

Isabel Marschall muss nicht selbst fahren, ihr Vater übernimmt das Steuer, sodass sie sich während der Fahrt dem Hundebaby widmen kann. Für eine kurze Fahrt wäre Romy auf dem Schoß transportiert worden, bei mehr als einer halben Stunde bietet sich eine offene Gitterbox an. Darin liegen also Romy, Romys neue Decke, Spielzeug, der Wassernapf, Kaninchenohr und ein paar verstreute Leckerlis zum Ablenken. Das wäre aber nicht nötig gewesen: Romys ganze Aufmerksamkeit und Sympathie geht an ein rosa Plüschschwein. Ebenso süß wie der Hund und ebenso Träger eines kleinen Babyspeckbauchs.

Zu Hause angekommen

Die meisten Hunde stecken die Fahrt gut weg, das ist für sie auf- und anregend. Die neue Umgebung ist ungewohnt und der Hundewelpe muss lernen, dass es hier sicher ist, dass das sein neues Zuhause ist. Dazu braucht es Ruhe. Romys Decke von der Autofahrt kommt in den Laufstall, Romy sucht Leckerlis, die im Wohnzimmer verteilt sind, wird gestreichelt und kommt in den Laufstall. Hundemüde schläft sie ein.

Wichtig: Auch wenn es verlockend ist, bitte präsentieren Sie Ihren Neuzugang nicht wie eine Jahrmarktsattraktion. Ein kleiner Hund ist schutz- und hilflos, wenn er von vielen Menschen in völliger Verzückung angesprochen und angefasst wird, dann macht ihm das Angst und keine Freude.

Die ersten Tage sind die spannendsten. Isabel Marschall beobachtet den Neuankömmling genau. Welches Persönchen steckt hinter diesem kleinen Fellbündel? Als erstes ist Isabel Marschall das eigenartige Fressverhalten aufgefallen: „Romy macht Essenspausen, das ist sehr untypisch für ihre Rasse. Der Labrador tendiert deutlich zur hastigen Nahrungsaufnahme. Außerdem ist sie ziemlich entspannt, richtig gechillt. Sie hat eine starke Nase und ich habe einen gewissen Jagdtrieb beobachtet, auf Bewegungsreize spricht Romy deutlich an. Es ist so spannend, sie zu beobachten und ihre Persönlichkeit zu entdecken.“ Isabel Marschall ist deshalb auch dafür, den Hund ernst zu nehmen, auch schon als kleinen, knuffigen Welpen.

Und das denkt Romy:

Sieht so aus, als hätte ich mich ganz gut eingelebt. Der große Rüde, der schon hier lebt, behandelt mich zwar noch etwas wie Luft, aber den werde ich mir noch erobern. Ich muss an mir arbeiten, damit er meine Aufforderung zum Spielen versteht und nicht immer so genervt schaut. Ich meine gerade, der fragt die zweibeinige Chefin:  „Kann das bald mal wieder weg?“

Übrigens: Ich habe ein Knickohr, die Züchterin sagte, das verliert sich mit der Zeit. Meine Menschenfreundin glaubt nicht so ganz dran, es ist ihr aber auch egal. Entweder bleibt der Knick als liebenswerte Besonderheit oder mein Ohr wird ein Standard-Retriverohr, wie es im Buche steht.

In diesem Sinne:        

Haltet die Ohren steif!

Eure Romy

 

Die Entscheidung für einen Hund

Die Wahl der Rasse:

Den Hund nicht nur nach dem Schönheitsideal auswählen, sondern sich einfach mal fragen, für was wurde diese Rasse gezüchtet? Beispiel: Bordercollie: Ein wunderschöner Hund, aber ein Hund, der Schafe hütet. Eine anspruchsvolle Fulltime-Beschäftigung. Bordercollies, die weder geistig noch körperlich gefordert werden, sind leicht frustriert.

Die Investition:

Der Welpenpreis ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Dessen muss man sich bewusst sein. Mit Kosten für Futter, Leine, Körbchen, Hundeschule, Tierarzt, Reiseunterkunft und Versicherungsprämien geht es weiter. Eine Haftpflichtversicherung sollte jeder Hundehalter haben, über eine OP- oder Krankenversicherung lohnt es sich, nachzudenken.

Zeit: Wer einen Hund hat, muss Zeit für das Tier haben. Der Alltag verändert sich: Shoppen in Wiesbaden und danach nochmal gediegen Essen gehen – das geht nicht mehr, wenn zu Hause ein Hund wartet. Nach 4  bis 5 Stunden muss er raus.

Wie verbringen Sie Ihren Urlaub? Kann der Hund mit oder muss er in eine Pension gegeben werden? Und denken Sie an die ersten Wochen, an die Eingewöhnung und die Stubenreinheit. Der neue Welpe braucht feste Rituale, um stubenrein zu werden und sich im neuen Zuhause wohlzufühlen.

Für die Stubenreinheit müssen Sie in der ersten Woche alle Stunde bis anderthalb mit dem Hundewelpen rausgehen – nachts eventuell auch ein- bis zweimal. Danach reichen alle zwei Stunden. Bald haben Sie sich aufeinander eingespielt und sie merken an einem bestimmten Suchverhalten oder wenn der Hund sich dreht, dass es Zeit fürs Geschäft ist.

Alles in allem bedeutet das aber: 3 Wochen Urlaub muss man sich für die Eingewöhnung eines Welpen nehmen.

Romy kann übrigens schon Sitz. Meistens jedenfalls, sie ist noch leicht ablenkbar. Aber die Erziehung beginnt schon jetzt. Erziehung gehört übrigens immer in Erwachsenenhände, nicht in Kinderhände. Auch darüber sollte man sich bei der Anschaffung eines Hundes im Klaren sein: Ein Hund ist kein Kinderspielzeug und auch kein Superweihnachtsgeschenk.

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